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logo Grande Zurigo 21.08.2017 17:36 UhrGrêmio
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Grêmio SPIELBERICHT:
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Grêmio - Sporting Morgenstern 4:2

Tore: 0:1, 1:1 (Thomas), 1:2, 2:2 (Renan), 3:2 (Thomas), 4:2 (Renan)

Herausragend: na was wohl? The Return of the Wunder of Milandia!

Das Lächeln der Auguren
Grêmio liess die Köpfe bereits vor dem Spiel hängen. Au backe, die Erinnerung an das letzte Aufeinandertreffen: 9:0 auf die Mucke gekriegt! Dann doch lieber unsportlich, dafür ehrenvoll im heimeligen Ohrensessel einschlafen, während die Sportreporter einer nach dem andern von der Bildfläche verschwinden…

Bereits beim Einlaufen ward einem als Grêmist Angst und Bibberbange: die choreographierten Muskellockerungs- und Dehnbewegungen, der Einsatz und Wille, vor allem aber dieses Unterordnen der Individualität unter das Kollektiv! Sporting Morgenstern hatte sich allem Anschein vorgenommen, das blamable Resültat aus dem letzten Spiel zu übertreffen, frei nach dem Motto: „Stillstand ist Rückschritt – wer aus dem Pokal saufen will, muss auch bereit sein, ihn zu füllen!“ Die Frage seitens von Grêmio war theoretischerer Natur und konnte nur lauten: „Begreifen wir den Ausdruck «Flucht» ausschliesslich geografisch oder lassen wir ihn auch im übertragenen Sinne gelten, also z.B. für Drogen, Apathie und andere probate Hilfsmittel in dieser gemeinen, fiesen, kalten Welt?“

Die kalte Dusche
Just auf den leisen Pfiff des Schiris hin begann es zu seichen, dass Gott erbarmte (eben nicht, schaute einfach weg, der alte Mann!). Wind und der von Abenteurern berüchtigte Chill-Faktor gesellten sich dazu. Bei manch einem dürfte sich die Erkenntnis in den Hirnkasten geschlichen haben, dass Fussball das ganze Leben nicht sein kann, schon gar nicht bei diesem hundsscheissverdammten Sauwetter. Und dann ging’s auch auf dem Rasen los: nach wenigen Minuten knapp an unserem Tor vorbei böllerte der Kuli, nein kullerte der Böllen! Und wieder, und dann 0:1! Auf dieses – unser Goaliath Davide hatte seine Tatzen noch am Speck – reagierte Thomas am natürlichsten: er schoss das 1:1, ohne auch nur einmal einzuatmen. Darauf folgte das 1:2. Wieder hatte unser Keeper die Griffel am Ball, ja gopfärtelli, gibt’s denn so was? Der Parallelen nicht genug: wieder dauerte es nicht lange, bis wir ausgeglichen hatten. Und wieder ging ein Morgensternenmann alleine auf unseren Torhüter los: Davide liess seine Hände vorschnellen wie das Chamäleon seine Zunge. Ganz im Gegensatz zu diesem aber verschlang er seine Beute nicht, sondern spedierte sie mit einem kräftigen Arschtritt in die gegnerische Platzhälfte. 2:2 blieb’s.

Stullen oder Tee?
Stullen gab’s keine, Pausentee gab’s keinen, dafür liess niemand mehr den Kürbis hängen. Aus einer fernen Sphäre sprach eine verständige, warme Stimme zu uns: „Huhuu? Ju-hungs! Heute haut ihr sie in die Pfanne!“, dazu die Karaokeversion von „Lucy in the sky with diamonds“. Zu diesem Zeitpunkt wärmte beim FCZ wohl nur Schüblig + Kafi Schnaps das Herz. Dies sei bloss erwähnt, um den Kontrast zwischen passivem und aktivem Fussball aufzuzeigen…

In der Pause hatte sich eine zusätzliche Person unter das Publikum gemischt, welches sich somit verdoppelt hatte. Der neue Zuschauer, der nun rauchend dastand und mitfieberte? Er war er, der die beiden Morgensterntore gepfeffert hatte in der ersten Halbzeit. Würde die Lücke, die er hinterlassen, gefüllt?

Seitenwechsel. Unsere brasilianische Sturm- und Drangspitze erfüllte leider mindestens ein fussballrassistisches Vorurteil („typisch südländischi Mentalität, chadr sägä im Phall, vil z’värschpillt!“) und versiebte seiner überbordenden Spielfreude wegen eine Torchance nach der anderen. Genarrt blieb die Verteidigung, der Torerfolg blieb noch eine Weile aus. Nach weiteren Angriffen und Gegenattacken ins Leere, ertönte Tusch, der Lichtkegel richtete sich auf den Weg zwischen den Spielfeldern und in Erscheinung trat:

Das Wunder von Milandia!
Frisch geduscht und scheinbar ausgeschlafen schlenderte es Richtung Fussballplatz. Einige Akteure wollten es zuerst nicht erkennen und nachher vor allem nicht anerkennen. Unbeirrt blieb es an der Auslinie stehen und schaute sich das 3:2 halbwegs amüsiert an.

„Genug gefeiert!“, befahl Libero Daniel, unsere Arme waren erst auf halbem Weg nach oben. „Na dann! Wäre auch zu schön gewesen, jetzt schon anzustossen und sowieso, äh, Durst kriegt man, jedenfalls denjenigen Durst, der auf pragmatische Flüssigkeitsaufnahme aus ist, den Durst kriegt man bei dieser Luftfeuchtigkeit nicht!“

Sporting Morgenstern hatte das Undenkbare nicht gedacht: hinten liegen. Nun wollte man nicht einfach dreinschiessen, blind rumrennen wie die Hühner, in Hysterie und Panik untergehen: zuerst die Analyse, dann die Tat. Diskussionen über vorne, hinten, und sowieso links zwischendurch oder rechts wie auch immer etenceteren erfreuten den dialektisch geschulten Zuschauer. Nur, den Ball beeindruckte das wenig, im Gegenteil. Und uns sowieso nicht. 4:2, nun war die Welt wieder in Ordnung. Ein Gefühl, exklusiv vergleichbar mit der raren Genugtuung, welche man verspürt, wenn Donald die Nase für einmal vorn hat, während Dagobert, der alte Raffzahn, leer ausgeht.

Es wurde immer ruhiger. Ab und zu wurden wir am 16er von einem Hellblauen besucht, meistens aber verhielt er sich, wie es sich für einen Gast gehört: unauffällig und höflich, gekommen in der Absicht, ein bisschen umherzuschauen, ohne jemandem zu nahe zu treten.

Der Respekt und die Freundlichkeiten gingen gar so weit, dass ein Morgenstern einem Grêmisten, dem man die Erschöpfung ansah, die Last des Stehens abnehmen wollte. „Sodäli, jetz langz!“ sagte er mitfühlend. Seine Idee war es, sich auf den nassen Rasen zu setzen und so seinem Kontrahenten eine Sitzgelegenheit zu bieten. Er hatte dabei die verminderte Bodenhaftung ausser Acht gelassen und konnte nicht mehr bremsen. Der Grêmist kam, ehe er sich’s versah, auf dem noblen Herrn mit den feinen Manieren zu sitzen.


Nachspiel
- „Gratuliere, schönes Spiel…“
- „Danke gleichfalls, Fussball ist schon herrlich. Einmal 0:9, das nächste Mal 4:2! Das ist Fussball, das Leben, unberechenbar halt…“
- „Ha! Unberechenbar, pfft… Heute war kein Knochen vom letzten Mal dabei in eurem Team!“ meinte der geknickte Morgenstern vorwurfsvoll.
- „Keine Ahnung“, musste ich gestehen, „das kann ich nicht beurteilen, ich war damals zuhause geblieben!“.
- „Eben, sag ich ja!“
- „Was eben?“
- „Eben, heute war kein Knochen vom letzten Mal dabei…“
- „Und jetzt? Sei doch froh, ohne mich stünde es nun 4:0, also halt den Schnabel, den oberen!“
- „Es ist einfach nicht recht…“
- „Was willst du? Kopf hoch, ihr habt gewonnen, wir haben gewonnen, das Endskore 2005 aber ist und bleibt 11:4, und zwar für euch! Ihr seid besser, wir bloss weiter…“

#16

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