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logo Grande Zurigo 21.10.2017 8:30 UhrGrêmio
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Grêmio matchAuf der Suche nach dem Zauberer von Moz
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Die Zürcher Alternativliga verkommt immer mehr zum Abziehbild der Schwitzer Süperlig. Aurora Boosel spielt in einer anderen Galaxie als die restlichen Teams, gähnende Langeweile droht. Um den Status Quo zu bekämpfen hat die Grêmio-Klubleitung ihren Scout Dom Diamantinho Cruz Azul aka „Cervejao“ auf die Suche nach dem neuen Eusebio geschickt. Der Bericht unseres Mannes in Maputo – erfrischend wie ein Tritt in die Kronjuwelen.


Ich las gerade in einer Abhandlung über das Sexualverhalten des Gummibaums in der postmodernen Wüste als mein Knochen vibrierte. Eine neue Nachricht. Absender: die Spassbremsen der Grêmio-Teppichetage. „Finde uns einen neuen Spieler. Schnell wie Washi, spritzig wie Butch, technisch versiert wie Gooaalta, handzahm wie Erni. Kurz: den neuen Eusebio!“

Einfach wie nur was, der Auftrag. Die Pseudo-Brasos hatten sich wohl mal wieder zuviel Kiff in die Lunge gehauen, die ganze Nacht Sexy-Sport-Clips auf DSF geguckt und von der Meisterschaft geträumt. Aber wie besagte die Zürcher Szenen-Regel im Monat November: „Unter den Schneeblinden ist der Rotäugige König.

Die würden alle noch ihr schwarzes Wunder erleben, wenn ich den Schweizer Markt erst einmal mit Giraffen-Kot fluten würde. Wer greift schon nicht gerne für ein paar hundert Franken in die Scheisse wenn sie aussieht wie erstklassiger Nepali.

Statt sowas von gemütlich in der Hängematte mit Sicht auf die Baia de Maputo abzuchillen und zu warten bis mir das eine oder andere kross gebratene Galinha piri piri in den Mund flöge, hiess es also: ab Richtung Stadion. Eine fröhliche Napalm Death-Weise pfeifend schlenderte ich die Avenida Mao Tse Tung hinunter und bog links in die Avenida Kim Il Sung ein; vorbei an dem Zerfall preisgegebenen portugiesischen Kolonialbauten und architektonisch streng sozialistischen Verunstaltungen. Nach einem halbstündigen Spaziergang erreichte ich das nahe der Vergnügungsmeile Feira gelegene Stadion. Auf dem Programm stand das Lokalderby Grupo Desportivo de Maputo - Matchedje.

Kurz vor der Dehydration stehend - 70 Grad im Schatten sind echt nicht übertrieben! - legte ich in der Boxenstrasse beim Stadioneingang einen Pit-Stop ein. Einmal mit 2 M (Doschemme) volltanken, bitte! Die Bewohner des stadioneigenen Mini-Slums hatten Grillroste vor ihre Hütten gestellt und boten neben Getränken auch Hühnerflügel, Spiesschen und Hamburger an. In die Duftschwaden vom Grill mischten sich scheppernde Lusopop-Klänge aus altersschwachen Boxen und die Rufe der Erdnuss-Verkäufer und Müsterchen-Verteiler von Matchsponsor Colgate.

Auf den Rängen wurde ich schnell in ein Gespräch verwickelt. Adelino, profunder Kenner des mosambikanischen und portugiesischen Fussballs, klärte mich über die hiesigen Begebenheiten auf. Das Spiel Desportivo - Matchedje sei auf portugiesische Verhältnisse übertragen vergleichbar mit der Partie Boavista Porto – Salgueiros. Ein richtiger Kracher also! Kein Wunder half mancher Fan in Sachen Spielrausch bereits im Vorfeld nach: mit Rotwein aus dem Liter-Tetrapak. Molto lecker!

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Auf dem Platz taten die beiden Mannschaften alsbald alles, um der Affiche gerecht zu werden. Spielfluss? Fehlanzeige. Ideenlos und völlig überhastet schoben sich die Kicker der beiden Teams fernab jeder erkennbaren Taktik die Fehlpässe zu. FCZ-Herz was willst du mehr!

A propos: Während in Züri das „Bonzenklub vs. Arbeiterklub“-Gerede längst zum Mythos verkommen ist, sind in Maputo die Unterschiede zwischen den Klubs augenfällig. Während die Desportivo-Spieler auf Sand spielen, verfügt das nur einen Steinwurf entfernte Stadion von Rekordmeister Ferroviario (Brüder im Geiste von Tram 4) über einen, wenn auch mehr gelben als grünen Rasenteppich. Insgesamt spielen fünf Vereine aus Maputo in Mozambiques Eliteliga. Neben Desportivo, Matchedje, Ferroviario auch Costa do Sol und Maxaquene.

Die Stimmung unter den rund 4'000 Zuschauern war mau. Etwa fünf Anhänger in Vereinsfarben, keine Sprechchöre, wenig Ansätze von Begeisterung. In Hochform präsentierten sich dagegen die Bahrenträger: Kaum ging einer der Spieler zu Boden sprinteten sie mit einer Geschwindigkeit auf den Platz, die nur einen Schluss zuliess: Maputos Laufwunder Maria Lourdes Mutola entstammt einer grossen Familie. FCZ-Masseur Hermi „National“ Burgermeister hätte sich trotz rigoroser Diät in derselben Zeit wohl gerade mal von seinem Stuhl erhoben.

Lustig auch der Radio-Checker, der einem Spieler in Pflege das Mikrofon vors schmerzverzerrte Gesicht hielt. Fragen und Antworten auf die die Sportwelt gewartet hat: „Das sah jetzt ganz so aus, als ob ihre Aktivkarriere nach diesem Foul zu Ende wäre. Ihr Kommentar?“

Da das Spiel einem fussballästhetischen Tiefschlag gleichkam, blieb genügend Zeit das Publikum eingehender zu studieren. Ein Fan zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich: In einem Trägerleibchen mit dem Namenszug Clark über der Nummer 10, den tarnfarbenen Schlapphut tief ins Gesicht gezogen, rannte der etwa 25-jährige Sportsfreund den schmalen Streifen zwischen Tribüne und Spielfeld wie weiland Gilbert Gress on Speed rauf und runter. Stets auf Ballhöhe, schrie er den Desportivo-Spielern Anweisungen zu, gestikulierte, haderte bei vergebenen Chancen mit dem Schicksal und sank bei groben Faux-Pässen seines Teams vor Scham auf die Knie. Seine Hingabe und sein Stehvermögen waren beeindruckend. Fürwahr ein aussichtsreicher Anwärter auf den Rocco-Siffredi-Award 03.

Dann war Pause. Zeit für das grosse Torwandschiessen von Matchsponsor Colgate. Einmal mehr bewahrheitete es sich, dass der Teufel im Tetrapak steckt. Anders liessen sich die mit Schmackes meterweit am Tor vorbeigezirkelten Bälle nicht erklären. Von 15 Schüssen fand genau einer den Weg auf die Torwand – Grêmio-Style Monn!

In Hälfte zwei nahm das Geschehen an Fahrt auf. Nach 55 Minuten netzte der Aussenseiter Matchedje zum 0:1. Das Spiel blieb auch fortan der Mässigkeit treu, die Platzherren riss der unerwartete Gegentreffer jedoch aus ihrer Lethargie. Unkoordiniert, aber mit viel Elan stürmten sie in der Folge Richtung Matchedje-Tor. Der Funke sprang nun auch auf das Publikum über. Erste zaghafte Sprechchöre hallten durchs Rund und Clark sah sich entlang der Seitenlinie von zwei nicht minder passionierten Fahnenschwingern sekundiert.

Und dann wurde an diesem süttig heissen Novembernachmittag tatsächlich noch Fussballgeschichte geschrieben – zumindest aus meiner Sicht: Etwa 75 Minuten waren gespielt, Matchedje hatte gerade das Spielgeschehen in die gegnerische Platzhälfte verlagert, als ihr Torhüter ohne Fremdeinwirkung im eigenen Sechzehner zu Boden ging - Krämpfe!!! Wahnsinn, so macht Fussball richtig Spass! Der Mann hätte mir beinahe den Gang zur Pipi-Box erspart.

Bei einem Derby in Glasgow, Istanbul oder Buenos Aires wäre die körperliche Unversehrtheit des Keepers nach einem solchen Simulations-Akt wohl nicht mehr zu garantieren gewesen. Die Desportivo-Fans nahmen’s indes mit Humor und beschränkten sich auf hämisches Gelächter und abfällige Gesten. Ernsthaft besorgt zeigte sich der Referee, der die beiden Bahren-Träger aufs Feld beorderte. Die Frage blieb: Hatte ein Desportivo wohlgesonnener Curandeiro den bizarren Patienten verhext oder ging im von Krimi-Autor Henning Mankell geleiteten Teatro Avenida nächstens ein Casting für das Stück „Der eingebildete Kranke“ über die Bühne?

Wie auch immer: Desportivo kam fünf Minuten vor dem Ende mittels gerechtfertigtem Foulelfer zum 1:1. Matchedje setzte den würdigen Schlusspunkt hinter die Partie als ihr Stürmer in der Nachspielzeit den Ball aus kürzester Distanz fünf Meter neben das Tor schoss. Manch einer im Stadion erinnerte sich nach dieser Szene der Regel Nummer 37 im Handbrevier für Fussball-Conaisseure und sagte laut aufseufzend vor sich hin: „Oh wäri doch is Tösstal gange.“

Auf dem Nachhauseweg zog ich mein Natel aus der Tasche und übermittelte die Erkenntnisse dieses denkwürdigen Nachmittags nach Züri: „ Grêmistas, in jedem von euch steckt ein kleiner Eusebio! Don’t bogart the giraffe-shit und das Unmögliche wird wahr!“ Zufrieden drückte ich die Send-Taste. Der Abend war jung und duftete verführerisch nach Galinha piri piri.

# 3

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