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logo Grande Zurigo 27.07.2017 0:45 UhrGrêmio
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Grêmio Niki goes IrelandHeinrich Boeller – Irische Tagebuecher
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Anmerkung: Folgender Text wurde in einem Dubliner Internet-Café in die Tasten gehauen. Waehrend des Schreibprozesses stand der Autor unter dem Einfluss der Musik (After a siesta we’re having a fiesta; I’m a Barbie girl in a Barbie world….) die sich der rumaenische Truemmel next screen in Manowar-Lautstaerke in die Gehoergaenge haemmerte. Wie wenn dessen Karlsruher SC-Trikot (das mit der Ehrmann-Werbung) nicht schon Strafe genug gewesen waere… Selten war das Misfits-Mantra “Mummy can I go out and kill tonight”angebrachter.


Ganz unten – Fussball bis die Floete juckt
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“Schlimmer geht’s nicht”, duerfte sich manch FCZ-Fan ueber die Jahre nach trostlosen Kicks gegen Aarau, Thun oder Luzern gesagt haben. Mit Verlaub, es geht. Irlands Eircom-League-Gingger beweisen es jede Woche aufs Neue. Ein Bericht von der Schattenseite des europaeischen Klubfussballs.

Auf den ersten Blick mag es erstaunen: In Dublin, einer Stadt, deren Hauptstrasse von einem ManUnited-Fanshop verschandelt wird und in der jeder Halbwuechsige die 85/86er Aufstellung seines englischen Lieblingsklubs herunterbeten kann , interessiert sich nur eine verschwindend kleine Minderheit fuer die nationale Liga. Wieso dem so ist? Offenbar sind nur wenige Leute geschaffen fuer allwoechentliche Grenzerfahrungen.

Mein erstes Erlebnis der anderen Art hatte ich am Ostermontag. Als unsere Eircom-League-Premiere sollte das Spiel zwischen dem irischen Rekordmeister Shamrock Rovers und dem University College of Dublin (UCD) – der europaweit einzigen Uni, die mit einem Team in der hoechsten Spielklasse vertreten ist – dienen. Da nicht nur die Iren wissen, was Durst bedeutet, begaben wir uns vor Spielbeginn in einen Pub nahe des Stadions. Alsbald fanden wir uns umringt von bierbauechigen Paddies, die den Werbe-Slogan “Guinness is good for you” durch ihren Auftritt ad absurdum fuehrten. Ihrem koenigsblauen Gesichtausdruck und ihren koordinativen Faehigkeiten nach zu urteilen, hatten sie im “Drink Ireland dry”-Battle heftig vorgelegt. Na dann: A pint please und Pri-Pra-Proesterchen. Sich ordentlich druckbetanken war zweifellos nicht die duemmste Variante. Erstens herrscht in Dublins Stadien Prohibition und zweitens waere das nachfolgende Spiel auf nuechternen Magen ungeniessbar gewesen.

Die UCD-Studenten sahen sich naemlich bemuessigt den rund 2’000 Zuschauern eine 90 minuetige Lektion in Sachen Schwerkraft zu erteilen. Sie stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass ein Fussball nicht im Stadionhimmel verschwindet, sondern zwangslaeufig wieder auf dem Boden landet – ganz gleich wie hoch er vorher in die Luft gekickt wurde. Die technisch versierteren Rovers zeigten sich bemueht dem antiquierten Kick and Rush des UCD etwas Konstruktives entgegenzusetzen. Das Resultat: eine Fehlpass-Orgie gespickt mit 5. Liga wuerdigen Stoppfehlern. Muessig zu erwaehnen, dass die Atmosphaere im Stadion abgesehen von ein, zwei “Super-Hoops”-Sprechchoeren derjenigen im Gefrierraum des lokalen Metzgers glich. Dass das Spiel nicht mit einem leistungsgerechten 0:0-Unentschieden endete, war auf einen Patzer von UCD-Keeper Pat Jennings zurueckzufuehren. Im Gegensatz zu seinem gleichnamigen Vater (der Tottenham- und Nordirland-Torhueterlegende schlechthin) scheint der Filius nicht zu Hoeherem berufen.

Fuer etwas Kurzweil sorgte einzig das International-Quiz im Matchprogramm. Frage sieben: “Ireland’s Group ten opponents Switzerland play their home matches in what ground?” St. Jakob Park? Weichturm? Stade de Suisse? Denkste. Das Lieblingsstadion des englischprachigen Fussball-Fans auf der Reise gen Italien ist und bleibt - der Wank-Dorf. Fuer die Floetenjucker-Fraktion setzen wir noch einen drauf: Wieso war dem irischen Bier Smithwicks trotz einer grossangelegten Werbekampagne kein Erfolg beschieden in Deutschland?

Die einzigen Fragen, die sich mir nach meinem ersten schmerzlichen Erlebnis im Dubliner Fussballuntergrund stellten, waren allerdings : Is this as good as it gets? Und: Wo liegt die Schmerzgrenze? Aufschluss sollte das ungleich prestigetraechtigere Stadtderby zwischen Meister Bohemians und den Shamrock Rovers geben.


Beerbelly-Exhibitionismus, Teufelstroeten und wieso Al-Hassane Keita als Shamrock Rover um sein Leben fuerchten muesste
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15 Minuten waren im Spiel zwischen Bohemians (The Boos) und Shamrock (The Hoops) gespielt. Agostino – normalerweise in der Scala des Catenaccio zuhause - und ich bereuten es bereits zutiefst dem Verlangen nach Live-Fussball erneut nachgegeben zu haben. Doch dann passierte Erstaunliches: einem Bohemians-Mittelfeldspieler gelang ein Pass ueber zehn Meter, der in den Fuessen eines Mitspielers landete! Kollektives Aufatmen. Auf das, was dann folgte waren wir indes nicht im geringsten vorbereitet: Der direkt hinter uns sitzende Boos-Fan schrie ein enthusiastisches “That’s lovely football, lads!” aufs Feld – Hatten wir richtig gehoert? Probiers mal mit Genuegsamkeit, oder was? Na gut: Ich werde die Welle im Letzi fordern, wenn Stuerchli Yasar bei seinem naechsten Sololauf nicht bereits nach fuenf Metern ueber einen Rasenziegel stolpert.

Doch zurueck zu meinem persoenlichen “Fan des Jahres”. Der Maenno zeichnete sich in der Folge durch ein reges Verlangen aus, das Spiel zu kommentieren. “Great pass Kenny! Come on Glenn! Ah you’re feckin shite Sparkie”. Mit fortnehmender Spieldauer haeuften sich die Obszoenitaeten. Kurz vor der Pause gipfelten sie in einem wahren Fluch-Stakkato. Die Welt und insbesondere das Dalymount Park-Stadion waren an diesem Sonntag im April ein verdammt schlechter Ort: “Feckin Eejits, Wankers and Scumbags” - ueberall. Was die etwa 10-jaehrige Tochter zu den Gefuehls-Ausbruechen ihres Vaters meinte, blieb unklar. Fragen: Ist es zu begruessen, dass auf diese Art und Weise versucht wird die naechste Generation von Tribuenen-Vulkanen heranzuzuechten? Macht es Sinn, dass Eltern ihre Kinder in den Pub mitschleppen, wenn sie huebsch geschmeidig one Pint or nine den Schacht hinunter zittern? Antworten: Soziologen bitte vortreten!

Gluecklicherweise hatten die Fans in unserer naeheren Umgebung in den ersten 45 Minuten nicht ihr ganzes “Feuerwerk” abgebrannt. Der Spassfaktor sollte betraechtlich erhoeht werden, als sich in der Pause ein alkoholisierter Feuerkopf und seine zwei Lads auf der Suche nach der “feckin sun” neben uns setzten. Mit seinem fuerzuendgueggelroten Naeggel und dem gleichfarbigen Pornobalken auf der Oberlippe haette der etwa 40 jaehrige Ire in jedem Mr. Tomato-Lookalike-Wettbewerb Chancen auf den Hauptgewinn gehabt. Doch in diesem Mann schlummerten noch ganz andere Talente: Sein Arsenal an Fluchwoertern haette auch den haertesten Limmatplatz-Hustler erblassen lassen. Und: Mit seiner Teufelstroete – einem zusammengerollten Matchprogramm, durch das er alle zwei Minute ein trunkenes “Boeh” hornte – stach er all die dissonanten Hupen locker aus, die in postsozialistischen Laendern bei Fussballspielen zum Einsatz gelangen.

Waehrend auf den Raengen die Bohemians-Fans bis zu diesem Zeitpunkt klar die Oberhand behalten hatten (“Where the fuck is your support?”, “You’re shite and you know you are”), bot sich auf dem Rasen ein anderes Bild. Shamrock dominierte und ging in der 72. Minute verdient in Fuehrung. Die Mitspieler feierten den Torschuetzen ueberschwaenglich und begruben ihn unter sich. Grund genug fuer ein paar ziemlich beleibte Shamrock-Fans freudetrunken den Rasen zu stuermen und sich mit Anlauf auf die Spielertraube zu werfen. Ein Filigranista wie Al-Hassane Keita haette an gleicher Stelle wohl schwere innere Verletzungen erlitten, der Torschuetze war gluecklicherweise von etwas robusterer Statur.

Auf der anderen Seite des Stadions bekundeten die Sicherheitskraefte etwelche Muehe die Bohemians-Fans von einem Platzsturm abzuhalten. Zehn Minuten spaeter gelang es jedoch einem Boos-Fan die Abschrankungen zu ueberwinden. In einem der haesslichsten Goalie-Trikots (!) ever – erinnert sich noch jemand an das Truck-Liibli von Urs Suter? – rannte er bis in die Mitte des Platzes. Dort zog er sein Trikot hoch und entbloesste voller Verachtung vor der Gaeste-Tribuene seine Bier-Plautze. Jolly good die Aktion! Bevor er dem Publikum auch noch seinen Lad vorstellen konnte, wurden die Sicherheitskraefte dem Platzstuermer habhaft und fuehrten ihn unter dem tosenden Applaus der Bohemians-Fans hinter die Abschrankungen zurueck. Grund zum Feiern hatten die Boos-Supporter auch in der Nachspielzeit, als ihrem Team der 1:1-Ausgleich gelang. Die in Norddubliner Dialekt vorgetragenen “Campiones”-Gesaenge (“Tschaempioni, Tschaempioni”) haetten wohl jedem Spanier den Schweiss auf die Stirn getrieben, indes sie passten zu diesem hoechst unterhaltsamen Spiel wie der Schaum auf’s Guinness.


Rub an Old-Firm-Dub in a Celts-Pub in the Dub
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Du liebst Theater, du liebst die grossen Gefuehle, du liebst die Provokation – auch wenn sie tief unter die Guertellinie zielt. Falls du auch noch Fussball liebst, dann vergiss Christoph Schlingensief und sein Spasstrompeten-Konsortium. Buche einen Flug nach Glasgow und kaufe dir ein Ticket fuer “The Old Firm”, das Derby zwischen dem irisch-katholischen Celtic FC und den protestantisch gepraegten Rangers. Wohl kein anderes Duell zweier Stadtrivalen weckt weltweit mehr Emotionen; abgesehen vielleicht von Boca Juniors – River Plate in Buenos Aires.

Hohe Wellen wirft “The Old Firm” auch in Irland, der geistigen Heimat der Celts. Das Derby-Erlebnis im Frazer’s, dem groessten Celtic Pub von Dublin (lasse mich gerne korrigieren) ist zwar nicht zu vergleichen mit dem Stadion-Besuch, gleichwohl sehr zu empfehlen. “Be aware, there are animals in there”, hatte uns am Vorabend ein irischer Liverpool-Fan gewarnt. Und wahrlich: Was sich uns bot war ein tierisch spassiges Schauspiel.

Auf drei Stoecken geschmueckt mit der irischen Trikolore und massig Celtic-Fahnen standen dichtgedraengt Menschen jeglicher Altersklasssen in Celtic-Trikots. Sie sorgten fuer eine Stimmung von der das Gros der Schweizer Fankurven nur traeumen kann. Bereits vor Spielbeginn wurden insbruenstig irische Rebel-Songs intoniert. Bei Toren der Celts - sie schlugen die Rangers aka “The Huns” aka “The Forces of Darkness” 2:1 - spielte der DJ Lieder wie “Hail Hail, The Celts are here” ein, die von der gut im Oel stehenden Menge enthusiastisch mitgegroehlt wurden. Noch groesserer Beliebtheit erfreuten sich “The Fields of Athenry”, ein irisches Folklied mit politischem Hintergrund, “Tell all the Huns” (Tell all the Huns you know. Its gonna be three in a row, Mols is a monkey, Caniggia’s a junkie, It’’s gonna be three in a row) und natuerlich der Henrik Larsson gewidmete Song (Oh Henrik Larsson, my Henrik Larsson, you make me happy when sky’s are grey, we could have Shearer, but he’s a wanker, so please don’t take my Larsson away.)

Falls einem der handverlesenen Touristen daran gelegen gewesen waere sein Repetoire an englischen Fluchwoertern aufzustocken, er haette ein ganzes Notizbuch vollschreiben koennen. Kaum erschien ein Rangers-Spieler in Grossaufnahme auf dem Bildschirm, starteten die Celts-Supporter mit Bierschaum vor dem Mund durch. Unvergesslich der etwa 65-Jaehrige, der mit hasserfuelltem Antlitz zum einen TV stuermte um Rangers-Verteidiger Lorenzo Amoruso sekundenlang den Stinkefinger ins Gesicht zu druecken.

Getoppt wurde der Maenno nur noch von der Frau, die die ersten 45 Minuten voellig apathisch unter den beiden Fernsehern sass, den Blick starr auf die Beerbellys in den ersten drei Reihen gerichtet. Was die Dame am Abend ihrem Tagebuch anvertraute? “Dear diary, today I had the time of my life.” – vollkrass isch schwoer!



Demnaechst auf der Website deines Vertrauens: Heinrich Boellers Bericht vom WM-Qualifikationsspiel Ireland – Shqiperia. Die Fragen, die sich stellen: Gelingt es Boeller die albanische Fankurve auf den irischen Evergreen “Sheep shagging bastards, You’re only sheep shagging bastards” einzuschwoeren? Wie reagiert “Edvin der Grosse” auf das Transparent “Murati – Dublin welcomes the Maradona of Balkans”? Und: Wo knallt sich Albano “Die Walz aus der Pfalz” Briegel nach Spielschluss sein Pils in die Roehre?
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